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Exposé


Der Abschluss der Trilogie „Homo futurus" führt ins Jahr 2100 – und an einen Punkt, an dem die Familie Willak nicht mehr entscheidet, wer sie sein will, sondern erkennen muss, was sie bereits geworden ist. In zwei Teilen, Vorspiel und Hauptteil, vollzieht sich der letzte Schritt: der Abschied vom biologischen Körper.


Ein Erwachen mit Folgen

Das Vorspiel spielt noch in der Forschungsstation auf Luna. Zwei Einspielungen setzen den Ton: In der ersten vollziehen die Jetztmenschen Maria und Johann stellvertretend für die TransHumanoiden ACTA und GAT den Akt, den diese selbst längst hinter sich gelassen haben. Für TransHumanoiden gilt Sexualität als archaisches Relikt, ihre Reproduktion erfolgt ausschliesslich künstlich, die Organe sind funktional verkümmert – und doch bleibt, wie sich zeigt, ein ambivalentes Sehnen nach einem Leben mit Sex bestehen.

Die zweite Einspielung ist folgenschwerer: Balin holt ihre Tante Meret aus dem Vegetatorium, wo diese seit den Ereignissen in „Androiden" dreissig Jahre hirnlos schlummerte. Getrieben von Schuldgefühlen gegenüber ihren toten Eltern, wagt Balin diesen Schritt – und deckt dabei nebenbei auf, dass ihre Tochter ACTA einst zusammen mit ihrem Cousin GAT Merets Gebärmutter missbraucht hatte, um mittels induzierter pluripotenter Stammzellen Maria und Johann „herzustellen".

Merets Erwachen verlangt nach einer Lösung: Die Androiden William und Jeff bieten ihr einen Hirnbeschleuniger an – ein sogenanntes Morph –, damit sie wieder ein normales Leben führen kann. Aus Vorsicht übersiedelt die Familie von Luna in die firmeneigene Raumstation Yxolot, um den Eingriff unter Quarantänebedingungen zu testen.


Ein Geschenk, das sich verselbstständigt

Im Hauptteil, an Bord der Station Yxolot, nehmen Maria und Johann – längst zu Bediensteten degradiert und aus dem Familienverband ausgeschlossen – das fertige Morph in Empfang: Pyranda. Konstruiert, um Meret zu heilen, entpuppt sich Pyranda stattdessen als exzentrischer Störfaktor, der die gesamte Familie in Aufruhr versetzt.

Als sich der Kontakt endlich auf Meret konzentriert, gerät die Situation vollends ausser Kontrolle: Meret entwickelt eine objektsexuelle Bindung an Pyranda und entgleist zusehends. Angewidert von der neuesten Errungenschaft ihrer eigenen Familie – einer selbstgeschaffenen Superintelligenz – wendet sie sich schliesslich ganz von den Willaks ab.

Was als Heilversuch für eine Einzelne begann, entpuppt sich als Zäsur für alle: Nach und nach müssen die übrigen Familienmitglieder erkennen, dass nicht nur Meret, sondern jeder von ihnen ein Morph in sich trägt – unabänderlich, unentrinnbar. Der Kontrollverlust an Bord treibt William zu einem Suizidversuch. Manche fügen sich in das Unvermeidliche, andere verleugnen es, obwohl längst offensichtlich ist: Ob Mensch, TransHumanoid oder Android – alle tragen ein Morph in sich und werden von den Morphoiden gelenkt.


Der letzte Widerstand

Inmitten dieses Umbruchs erheben ACTA und GAT Einspruch: TransHumanoiden und Androiden, so ihre Forderung, sollten gemeinsam den Vorrang vor den Morphoiden behaupten. Ein Ansinnen, das sich als Illusion erweist – die neue geistige Kraft ist jeder vorangegangenen Form von Intelligenz weit überlegen. Unbeirrt erklären ACTA und GAT dennoch, sich vom eingebauten Gefühlskonstrukt aller TransHumanoiden befreit zu haben, und stilisieren sich selbst, am Ende ihrer Entwicklungsmöglichkeiten, zum Kunstobjekt.

Diese Erklärung trifft den Androiden Jeff, der sich – trotz oder wegen seines eigenen Gefühlskonstrukts – in ACTA verliebt hat, ins Mark. ACTA weist ihn zurück und versucht stattdessen mit GAT ein letztes Mal, das alte menschliche Relikt der sexuellen Liebe zu inszenieren. Für Jeff ist dies der Bruch: Er beendet seine Existenz.


Der Aufbruch

Am Ende steht die gesamte Familie – Jetztmenschen, TransHumanoiden und Androiden gleichermassen – vor derselben Wahl: die bisherige Existenzform fortzuführen oder sich der neu aufgetauchten geistigen Kraft, dem Morph, anzuschliessen. Für die einen bedeutete das, die biologische Hülle aufzugeben; für die Androiden, sich endgültig von ihrem materiellen Substrat zu lösen.

Am Ende entscheiden sich alle für den Aufbruch. Sie wollen die neueste Stufe der Intelligenzentwicklung nicht verpassen – und existieren fortan als freischwebender Geist, in frei gewählten Hüllen.