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Exposé
Dreissig Jahre nach dem Familienessen in Neandertal ist aus den Willaks ein Mondvolk geworden. Der zweite Teil der Trilogie „Homo futurus" führt in das Jahr 2070 – an Bord eines Raumschiffs, das zur Erde zurückkehrt, und mitten in einen Machtkampf, der über das künftige Verhältnis von Mensch und Maschine entscheidet.
Ein neues Habitat, eine neue Art
In den 2060er-Jahren war die Familie, wie viele andere wissenschaftliche Pioniere, auf den Mond ausgewandert. Gen- und medizintechnisch veränderte Menschen – TransHumanoiden – hatten Luna zu ihrem neuen Lebensraum erklärt und sich dort weiterentwickelt. Elitär wie eh und je, zählen sich die Willaks längst zu einer eigenen, neuen Art: dem „Homo transhumanus".
Doch während die Familie an ihrer eigenen Vervollkommnung arbeitete, vollzog sich eine Entwicklung, die alles überschatten sollte: Androiden erreichten die Stufe bewusst handelnder Subjekte. Was als technischer Fortschritt begann, wird zum Meilenstein von grösserer Tragweite als jede medizintechnische Aufrüstung der TransHumanoiden – und spaltet die Familie in der Frage, ob Androiden weiterhin als Maschinen, als blosse Sache, zu gelten haben oder als Rechtssubjekte anzuerkennen sind, dem Menschen gleichgestellt.
Der Flug, der alles entscheidet
Die Handlung setzt beim Rückflug der Familie vom Mond zur Erde ein, an Bord zwei Gattungen intelligenter Wesen: TransHumanoiden und emanzipierte Androiden, beide dem Clan Willak zugehörig. Was als Heimreise gedacht war, wird zum Schauplatz eines Entscheidungskampfs auf Leben und Tod – und macht am Ende unmissverständlich klar: Die Androiden sind dem Menschen überlegen.
Eine Videorückblende offenbart den Auftakt der Tragödie: Sarah und Kevin, die sich von der wachsenden Dominanz der Androiden bedroht fühlen, erwägen Gegenmassnahmen. Ihre Töchter Balin und Kerin kommen ihnen zuvor, strecken die Eltern nieder und schaffen sie heimlich zur familieneigenen Erdbasis – ein Eingriff, an dem Sarah und Kevin sterben. Der Erdflug, den die Familie nun antritt, dient offiziell ihrer Abdankung.
Während des Fluges fordert der Android William die rechtliche Gleichstellung der Androiden mit Menschen und TransHumanoiden – ein Anliegen, dem sich Teile der Familie anschliessen. Nicht aber Knut. Einst treibende Kraft der menschlichen Selbstevolution, muss er nun mitansehen, wie die Androiden seiner eigenen Art den Rang ablaufen. Heimlich, schon auf der Mondbasis und nun im Raumschiff, trifft er Vorkehrungen, um die Vorherrschaft der TransHumanoiden über die Androiden zu erzwingen.
Knuts Verschwörung
Ein Anschlag auf die Erdbasis der Willaks überlagert Knuts Machtspiel – für ihn eine willkommene Gelegenheit, den Erdflug rückgängig zu machen. Als er sich zudem einen sexuellen Übergriff zuschulden kommen lässt, beschliesst die übrige Familie, ihn auf der Erde auszusetzen. In diesem Moment greift Aphro ein, eine Gynoide, die sich auf Knuts Seite stellt.
Knut hält eine Brandrede für die endgültige Dominanz der TransHumanoiden über die Androiden – und verschwindet mit Aphro in die Rettungskapsel des Raumschiffs. Von dort aus verübt er einen Anschlag auf die Crew, der scheitert. Als er anschliessend erpresserisch die Rückkehr zum Mond durchsetzen will, bleibt der Crew keine Wahl: Sie stösst die Rettungskapsel mit Knut und Aphro ins All aus.
Erst jetzt zeigt sich das ganze Ausmass der Skrupellosigkeit, mit der Knut und Aphro die Macht über die Familie an sich reissen wollten: Über den Ruheraum des Schiffs manipuliert Knut mittels Hirnstimulation gezielt jene Familienmitglieder, die dort Erholung suchen.
Ein Familienclan im freien Fall
Die Folgen sind verheerend. Meret, deren Hirn infiltriert wurde, muss in den vegetativen Zustand zurückversetzt werden. Sven, dem Aphro einen Replikanten eingepflanzt hat, wählt den Suizid als letztes Mittel der Selbstbehauptung. Mailot, von den Ereignissen überfordert, verfällt in geistige Verwirrung und stirbt bei einem Unfall. Kerin, bis dahin das Musterbild eines rational gesteuerten TransHumanoiden, gerät plötzlich in Selbstentfremdung und stirbt einsam in einem Ausnahmezustand.
Parallel dazu entgeht Balin nur knapp einem terroristischen Anschlag auf die Forschungsbasis in Neandertal – Xenes fällt ihm zum Opfer, in einem Ereignis, das sich zufällig mit den Turbulenzen im Raumschiff überschneidet. Selbst GAT und ACTA, die Kinder von Kerin und Balin, bleiben nicht verschont: Während ihrer Ruhezeit an Bord erleiden sie einen Hirnübergriff und drohen, zu Werkzeugen von Knut und Aphro zu werden.
Inmitten dieses Kollapses bleiben die Androiden William und Jeff auffallend souverän – emotionslos begleiten sie Mailot und Kerin, ohne eingreifen zu können, in den Tod. Doch das Miterlebte hinterlässt Spuren: Bei beiden markiert es einen Bruch. Sie werden, zum ersten Mal, leidensfähig.
Was bleibt
Am Ende dieses Fluges stehen mehr als nur die Trümmer einer Familie. Die weit fortgeschrittene genetische und informationstechnische Modellierung des Menschen auf der einen, die errungene Selbstbewusstheit der Androiden auf der anderen Seite werfen grundsätzliche Fragen auf: über das Verhältnis zwischen TransHumanoiden und Androiden, zwischen Mond- und Erdbewohnern – und darüber, wie sehr die transhumane Stufe des Menschen bereits sein Gefühlsleben, seine sexuellen Positionen, seine Denkmuster und Impulse verändert hat.