Homo futurus












Homo futurus – Eine Theater-Trilogie über den Menschen von morgen

Was, wenn der Mensch nicht mehr das Endprodukt, sondern nur eine Zwischenstation der Evolution wäre? Diese Frage steht am Anfang von „Homo futurus", einer Trilogie aus drei miteinander verwobenen Theaterstücken – „TransHumanoiden", „Androiden" und „Morphoiden" –, die den möglichen Werdegang des Menschen im 21. und 22. Jahrhundert entwirft.


Wenn der Mensch sich selbst gestaltet

Der heutige Mensch, der homo sapiens sapiens, gilt aus evolutionärer Perspektive als vorläufiges Ergebnis eines jahrmillionenlangen Prozesses. Ohne Eingriff würde die biologische Entwicklung stetig weitergehen – langsam, ungesteuert, blind. Doch seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert verfügt der Mensch über technische Mittel, die es ihm erlauben, diesen Prozess selbst in die Hand zu nehmen. Er wird vom Objekt der Evolution zu ihrem Gestalter.

Diese Verschiebung lässt sich kaum noch als „künstliche Evolution" fassen. Treffender ist von einer technischen Revolution zu sprechen – getragen von zwei Kräften: der roten Technologie, die sich der Humangenetik widmet, und der weissen Technologie, die Künstliche Intelligenz und Gehirnemulation umfasst. Beide werden in der Trilogie verhandelt, mit einer klaren Prognose: Die weisse Technologie, schneller und wirkungsmächtiger, wird die rote langfristig in den Schatten stellen.


Drei Klassen eines neuen Menschseins

Aus diesem doppelten Fortschritt entstehen, so die Trilogie, drei Klassen intelligenter Wesen. Die Humanoiden zerfallen zunehmend in zwei Lager: die herkömmlichen Menschen und die Transhumanoiden, deren Genom und Körper technisch überformt sind. Die Grenze zwischen beiden ist heute bereits durchlässig – Hirnstimulanzien, Implantate, Prothesen, ästhetische Eingriffe und Reproduktionstechnologien zeugen davon, dass der Mensch längst an seiner eigenen „Natürlichkeit" arbeitet.

Daneben treten die Androiden: bewusste, humanoide Maschinen, die Anspruch auf einen Rechtsstatus erheben, wie ihn bislang nur Menschen besassen. Und schliesslich die Morphoiden – körperlose, hochintelligente Systeme, die weder an biologische noch an mechanische Substrate gebunden sind und Humanoiden wie Androiden gleichermassen überlegen sind.

Nicht das Ergebnis dieses Prozesses interessiert die Trilogie, sondern sein Anfang: der Moment, in dem sich etwas zu wandeln beginnt.


Eine Familie durch drei Zeitalter

Erzählt wird diese Entwicklung entlang der Geschichte der Familie Willak, deren Weg über Jahrzehnte – von 2040 bis 2100 – drei radikale Verwandlungen durchläuft: vom gentechnisch veränderten Menschen zum medizintechnisch aufgerüsteten Transhumanoiden, und von dort zum Morphoiden, einer Superintelligenz jenseits jeder biologischen Bindung.


TransHumanoiden beginnt 2040 im fiktiven Ort Neandertal, wo sich die Familie zu einem Arbeitsessen im firmeneigenen Betrieb trifft – einem Unternehmen, das Gebärmutterapparate entwickelt. Unter den Anwesenden: herkömmliche Menschen, halbfertige Transhumanoiden und ein noch unfertiger Android. Was als Familientreffen beginnt, endet im Zerwürfnis – ohne dass jemand von der Vision des Zukunftsmenschen abrücken würde.

Androiden versetzt die Familie dreissig Jahre später auf den Mond, wo sie inzwischen lebt und forscht. 2070 fliegt sie zur Erde zurück, um für ihre neuen Familienmitglieder – die Androiden – die rechtliche Anerkennung als Person zu erwirken. Ein Anliegen, das auf Luna wie auf der Erde tief umstritten ist und sich während des Fluges zu einem tödlichen Machtkampf zuspitzt. Am Ende setzt sich durch, wer den Androiden Rechtssubjektivität zubilligt.

Morphoiden schliesslich führt die Familie 2100 in die firmeneigene Raumstation. Dort entwickeln die Androiden für ein humanoides Mitglied einen Hirn-Enhancer – ein sogenanntes „Morph". Doch der Versuch gerät ausser Kontrolle: Nicht ein einzelnes Morph entsteht, sondern jedem Familienmitglied wird unwiderruflich ein Morphoide zugeordnet – ein übermächtiger, superintelligenter Attraktor ohne materielles Substrat, der Humanoiden wie Androiden gleichermassen unterwirft. Angesichts dieser Übermacht – und im Wunsch, der Zukunft nicht verloren zu gehen – entscheidet sich die Familie für eine posthumane Existenz jenseits des biologischen Körpers.


Warum dieses Stück, warum jetzt

Das 21. Jahrhundert dürfte eine Ära umfassender Umwälzungen in der roten wie weissen Technologie werden – Umwälzungen, die frühere historische Zäsuren an Tragweite übertreffen könnten. Konflikte sind dabei nicht auszuschliessen, etwa entlang der Kluft zwischen technisch aufgerüsteten, KI-gestützten Gesellschaften und jenen, die – freiwillig oder unfreiwillig – von diesem Fortschritt ausgeschlossen bleiben.

Diese mögliche Zukunft für die Bühne zu bearbeiten, war Anliegen und Herausforderung zugleich. Nach der ersten Fassung von „Homo profectus" (2012) wurde deutlich: Nicht die Medizintechnologie, sondern die Informationstechnologie wird der eigentliche Motor der menschlichen Selbstevolution sein. Aus dieser Einsicht und der Neufassung von „Homo profectus" entstand 2018 die vorliegende Trilogie „Homo futurus" mit ihren drei Teilen: „TransHumanoiden", „Androiden" und „Morphoiden".


Homo futurus, BoD, 2018, ISBN 9783752828290, eBook: ISBN 9783746051673


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